Ostafrika statt Ostküste

Knapp 3 Monate ist es nun her, dass in mir die Entscheidung meine Work&Travel Pläne zu verwerfen und stattdessen als „Basketballentwicklungshelfer“ nach Tansania zu gehen, gereift ist. Konkret heißt das für mich: Soziale Arbeit im Projekt statt Trauben Pflücken auf Plantagen. Giraffen und Geparden statt Kängurus und Koalas. Ostafrika statt Ostküste. Obwohl sich dieser Sinneswandel innerhalb weniger Tage vollzogen hat, sind mir bisher überraschenderweise keinerlei Zweifel gekommen. Ganz im Gegenteil, seit Wochen steigt die Spannung und Vorfreude kontinuierlich an und ich kann es kaum erwarten morgen in den Flieger zu steigen.

In den vergangenen 3 Monaten habe ich aber auch viele Gespräche mit Familie, Freunden und Bekannten über den mir bevorstehenden Auslandsaufenthalt geführt und dabei nicht selten Sätze wie „Jetzt echt, ein halbes Jahr Afrika? Willst du dir das wirklich antun?“ oder „Warum jetzt auf einmal Tansania? Australien ist doch viel geiler“ zu hören bekommen. Also warum überhaupt? Warum auf einmal Afrika und dann speziell Tansania? Fragt man Leute, die einen längeren Auslandsaufenthalt planen nach ihrer Motivation, wird man denke ich meistens Dinge wie „Persönlichkeit weiterentwickeln“ oder „Horizont erweitern“ als Antwort erhalten. Mich treiben ähnliche Motive in die Ferne und da stellte sich mir die Frage, was den eigenen Horizont und die Persönlichkeit mehr bereichert, als in eine völlig neue Kultur einzutauchen und dort mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, die obwohl sie nur wenig besitzen, glücklicher, zufriedener und lebensfroher, als wir zu sein scheinen. Viel ist mir da nicht eingefallen. Neben diesen Überlegungen war es aber vor allem das Projekt, das mich von Anfang an total begeistert hat. Ich als Sportverrückter, der – würde es die Zeit erlauben – am liebsten alle Sportarten gleichzeitig betreiben würde, finde den Ansatz hinter der Sports Charity genial. Der Sport ist nämlich nicht nur eine willkommene Abwechslung im Alltag der meist arbeitslosen Jugend, sondern gleichzeitig eine Art Charakterschule, denn viele Situationen aus dem Sport lassen sich auch auf das tägliche Miteinander und andere Bereiche wie die berufliche Laufbahn übertragen. Aus eigenen Erfahrungen im Team – und Leistungssport kann ich sagen, dass dort wahnsinnig wichtige Eigenschaften wie Disziplin, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz herausgebildet aber auch „Social Skills“ wie Fairness und ein respektvoller Umgang mit Gegen-/Mitspielern geschult werden. Und während sonst beim Lernen häufig schnell Langeweile und Resignation einsetzen, hat man bei diesen Lernprozessen einen ständigen Begleiter an seiner Seite, der dafür sorgt, dass der Spaß immer im Vordergrund bleibt: Den Ball 😉

Ich für meinen Teil hoffe jedenfalls, dass auch ich mir das ein oder andere von den Tansaniern abschauen kann. Wer mich etwas besser kennt wird wissen, dass etwa Spontanität und Geduld nicht zu meinen allergrößten Stärken zählen, ich Vorhaben meist sorgfältig durchplane und mitunter auch schnell gereizt bin sollte es dann mal ganz anders ablaufen. Hier wäre es mit Sicherheit kein Schaden ein bisschen die Gelassenheit der afrikanischen Mentalität zu übernehmen. Denn sind wir mal ehrlich, wann läuft schon alles wie geplant?

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