Big Bang Ballers

Ereignis- und abwechslungsreiche Tage liegen hinter mir, die ganz im Zeichen der Big Bang Ballers standen. Die Big Bang Ballers sind eine in mehreren Ländern aktive NGO, die versucht – getreu ihrem Motto „Making a difference through basketball“ – Kindern aus sozial schwachen Familien und/oder Kindern mit Behinderung Basketball, aber auch Sport im Allgemeinen, näher zu bringen. 11 Volunteers des französischen Ablegers dieser Organisation haben uns für 10 Tage in Mwanza besucht und unter anderem ein 3×3 Basketballturnier gesponsert, das sie in Kooperation mit uns ausgerichtet haben. Dies war allerdings nur ein Teil ihres bunten Rahmenprogramms, der auch nur ein Wochenende in Anspruch nahm und so konnte ich zusammen mit ihnen einige Orte besichtigen, für die ich mir selbst noch nicht die Zeit genommen hatte.

Da ihr Flieger Mittwoch morgens landete, nutzten sie den ersten Tag hauptsächlich um Geld zu wechseln, Sim-Karten zu kaufen und sich zu erholen. Nachdem sie dann am Donnerstag mit Josephine das Waisenhaus besichtigten und dort eine Sportstunde durchführten, lernte ich sie erst Freitag morgens bei unserem gemeinsamen Frühstück kennen. Ein Teil unserer Volunteers besuchte mit ihnen die Morgenzeremonie der Sabasaba Grundschule, während wir anderen das Frühstück vorbereiteten. Mir kam dabei die Aufgabe zu, 40 Chapati (dünne Fladenbrote) und 20 Vitumbua (Reis-Kokosnuss Donuts) an unserem Stamm-Chapatistand zu besorgen. Eineinhalb Stunden Wartezeit und einen kostenlosen, übertrieben gesüßten Chai Tee später, machte ich mich auf den Rückweg zum Charityhaus, wo bereits alle sehnsüchtig auf mich bzw. eher auf die Frühstücksgrundlage warteten. Nach unserem reichlichen Frühstück brachte ich die Franzosen zurück zum Sabasaba Schul-/Sportgelände, wo sie mit allen Schülern Trainings in den verschiedenen Sportarten absolvierten. Hier half ich zwar nur beim Basketball und kann deshalb nicht sagen, wie es bei den anderen Sportarten ablief, doch über 80 Kinder hatten wieder eine Menge Spaß beim Passen, Dribbeln und Werfen auf dem Basketballfeld. Obwohl hier die Trainingsbedingungen viel schlechter, als bei uns zuhause sind, brauchen die Kinder nicht viel mehr als einen Ball in ihren Händen, um glücklich zu sein. Das ist ohnehin ein Unterschied zu Trainings in Deutschland, wo ich den Verdacht habe, dass manche Kinder nur zum Training kommen, weil ihre Eltern sie dort hinschleppen und auch die Franzosen konnten diesen Eindruck bestätigen.

Samstag früh startete dann das Turnier. Der Plan war am Vormittag die Mädchen und Jungs spielen zu lassen, um dann den Nachmittag und den Sonntag für die Seniors zu haben, wo wir auch mit einem Team und die Franzosen sogar mit zwei antreten wollten. Da wir uns aber nicht sicher sein konnten, wie viele Teams tatsächlich kommen würden, mussten wir den Spielmodus und -plan spontan morgens erstellen, weshalb wir bereits ab 8 Uhr am Court waren. Außerdem mussten wir noch mehrere Kanister Wasser und Plastikbecher besorgen, was sich ebenfalls als kein leichtes Unterfangen herausstellte. 50 Liter Wasser waren schnell besorgt, doch Plastikbecher waren in der näheren Umgebung nicht erhältlich. Also schnappten Valentin und ich uns schnell zwei Motorradtaxis und baten die Fahrer uns zum nächsten Supermarkt, der Plastikbecher in seinem Sortiment führt, zu fahren. Dass sich die Kommunikation wieder schwierig gestaltet, merkten wir als die Fahrer an einem Kiosk hielten und wenig später mit zwei weiteren Kanistern Wasser statt mit Plastikbechern herauskamen. Das ist eben Tansania, manchmal nervig, aber letztendlich eigentlich witzig und nicht so wirklich tragisch, da hier niemand mit den Augen rollt, wenn ein Turnier später startet oder die Spieler anfangs ohne Wasser auskommen müssen. Am Vormittag waren wir dann als Turnierleitung und Schiedsrichter tätig, während es vor allem bei den Mädchen hochklassige und spannende Matches zu sehen gab. Verantwortlich dafür waren die Teams des Internats aus Magu, die ich jetzt schon mehrfach besuchen konnte und die wirklich eine gute basketballerische Ausbildung erhalten. Am Nachmittag starteten dann wir Seniors. Da man einen Auswechselspieler pro Team brauchte, verpflichteten Richard, Garry und ich kurzerhand noch einen Local, um unseren Kader zu vervollständigen. Nachdem wir das erste Spiel direkt unglücklich per BuzzerBeater verloren, konnten wir anschließend 2 Siege gegen den späteren Turniersieger und gegen eines der französischen Teams einfahren, ehe ich erbrechen musste und im letzten Spiel, das wieder knapp verloren ging, für nichts mehr zu gebrauchen war. Was die Ursache für meine Übelkeit war konnte ich nicht abschließend klären, doch vermute ich, dass die Kombination aus Hitze, Sonne, körperlicher Anstrengung, 2 Portionen Reis mit Bohnen und einem Liter Pepsi sich nicht wirklich gut vertragen hat und so sollte es nicht das einzige Mal bleiben, dass ich mich an diesem Tag übergeben musste. Die Thermoregulation, die mein Schwerpunktthema im Sportabi war, scheint da nicht mehr ausreichend funktioniert zu haben und nachdem ich mich am Sonntag auch nicht wirklich besser fühlte und Garry ohnehin andere Pläne für den Tag hatte, mussten wir unser Team leider zurückziehen und unseren Platz im Viertelfinale räumen.

Bereits am Montag fühlte ich mich schon wieder wesentlich besser und so konnte ich mit Gary, Luis und Phillip die Franzosen durch die Stadt führen, um die wenigen touristischen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Dienstag standen dann auch für mich mal zwei völlig neue Programmpunkte an. Zuerst besuchten wir eine Behinderteneinrichtung, wo Menschen mit verschiedensten Behinderungen unterrichtet werden und versucht wird, sie für Nischen im Arbeitsmarkt auszubilden, wo sie unterkommen können. Diejenigen, die das nicht schaffen werden aber nicht auf die Straße gesetzt, sondern produzieren Souvenirs und Gebrauchsgegenstände von Weihnachtskarten bis Kochschürzen, durch deren Verkauf sich die Einrichtung zum Teil auch finanziert. Mega coole Sache, wenn man mich fragt und ich bin mir sicher, dass ich bevor ich gehe nochmal dort vorbeischauen werde. Danach haben wir uns auf den äußerst holprigen Weg zum Fischerdorf Igombe gemacht, wo es außer Booten und betrunkenen Fischern nicht sonderlich viel zu sehen gab. Donnerstag gings dann für mich bereits das dritte Mal nach Magu. Auf halber Strecke stoppten wir jedoch um ein Museum zu besuchen, in dem das Leben des Sukuma Stamms vorgestellt wird. An sich echt interessant, die Führung hätte aber durchaus etwas spannender gestaltet werden können. Dennoch gabs ein paar tolle Sachen zu sehen, wie das Trommelhaus oder ein Brettspiel, mit dem Streitigkeiten zwischen den Stammesmitgliedern ausgetragen oder um zweite Ehefrauen gespielt wurde. Der Besuch auf dem Magu Campus danach war so cool wie immer. Man merkt einfach, dass dort eine besondere Atmosphäre herrscht und alle unendlich dankbar für unsere Besuche und jeden noch so banalen Tipp sind. Nach einer kurzen Tour über das Gelände, konnten wir erst bei einem schulinternen Match zusehen und dann selbst gegen das Mädchenteam inklusive deren Trainer antreten. Hat auf jeden Fall ordentlich Spaß gemacht, weshalb ich in Zukunft auch gerne öfter den etwas längeren Weg dorthin auf mich nehmen werde.

Ein ganz anderes Spektakel, dem ich noch bevor uns die Franzosen besuchten beiwohnen konnte, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Vorletzten Mittwoch waren wir nämlich bei einem tansanischen Erstligaspiel. Mbao aus Mwanza empfing die Young Africans aus Dar es Salaam, die neben Simba der erfolgreichste Club in Tansania sind. Die beiden machen die Meisterschaft meistens unter sich aus, weswegen ihnen auch überall die Sympathien zu fliegen und betrachtet man lediglich wie die Anhänger verteilt sind, haben sie eigentlich nie Auswärtsspiele. So auch nicht in Mwanza, wo mehr als die Hälfte der Zuschauer die grün-gelben Outfits von „Yanga“ trugen. Das Spiel an sich hatte kein allzu hohes Niveau, unterhaltsam war der 1:0 Sieg der Mannschaft aus Dar es Salaam dennoch. Meine zwei Höhepunkte hatten auch eher weniger mit dem Spiel an sich, sondern mehr mit der tansanischen Fankultur zu tun. Zum einen ist während der Halbzeitpause ein Hexer aus der Yanga Kurve aufs Feld gestürmt, hat das Tor von Mbao 3 mal umkreist und versucht es zu verfluchen, während die Mbao Fan neben uns völlig am verzweifeln waren und wenig später einen Jungen mit einer Wasserflasche zum Tor geschickt haben, der das anscheinend säubern sollte. Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass Aberglaube zumindest im Sport hier eine große Rolle spielt. Zum anderen wurde einigen „Yanga“ Fans, die sich beim tanzen und feiern zu weit ins Mbao Territorium vorgewagt haben, eine Fahne geklaut, die dann von den Heim-Fans unter großem Gejubel verbrannt wurde. Das Spiel mit dem ganzen Trubel drumherum war die umgerechnet 2€, wofür man in Deutschland wahrscheinlich grad mal ein Kreisligaspiel verfolgen könnte, auf jeden Fall wert und auch wieder eine ganz besondere Erfahrung.

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