Nyama Choma – Barbecue mal anders

Zehn Wochen sind wir nun schon in Mwanza und speziell die letzten Wochen, seit der Eröffnung des neuen Sportzentrums, vergingen wie im Flug. Mittlerweile ist halt auch nicht mehr so viel neu wie anfangs und der Alltag, der sich eingestellt hat, verstärkt mit Sicherheit auch das Gefühl, dass die Zeit so schnell verstreicht. Trotzdem oder gerade deswegen versuche ich noch mehr bzw andere Einblicke zu bekommen, weshalb ich auch für jede Einladung, die ich von Tansaniern erhalte, mega dankbar bin. Letztendlich sind wir volunteers nämlich schon viel unter uns, was uns vielleicht manchmal daran hindert, uns noch stärker auf die Kultur einzulassen und Begegnungen mit Einheimischen zu machen.

Letztes Wochenende habe ich zum Beispiel mit Japhet, dem Jugendtrainer in Sabasaba, den Gottesdienst besucht und bin anschließend noch seiner Einladung zum Mittagessen gefolgt. Zuerst stand eine Bibelstunde an, bei der in verschiedenen „Klassen“ über Texte diskutiert wurde. Zum Glück gab es auch eine Englischklasse, so dass ich hier, anders als im zweiten Teil, noch folgen konnte. Dieser bestand dann nämlich aus verschiedenen Predigten und Liedern, leider alle auf Swahili, weshalb sich dieser Teil, auch aufgrund der Dauer von zwei Stunden, als recht zäh und ein bisschen langweilig gestaltete. Danach mit Japhet Mittag zu essen war wiederum ziemlich cool. Serviert wurde, wie fast überall, natürlich Reis mit Bohnen, was aber ganz lecker war und da Japhet sogar einen Fernseher besitzt, konnten wir nebenbei noch die Wiederholung irgendeines EM-Quali Spiels ansehen.

Gestern gab es für mich ein weiteres Highlight. Kizito, der für Sport Zuständige Beamte der Stadt, hatte mich gefragt, ob ich ihn zu einem Barbecue bei einem Freund begleiten möchte. Natürlich habe ich da zugesagt. Das ganze stellte sich vor Ort dann als Schlachttag heraus, zu dem wir aber einige Minuten zu spät kamen, um das Ableben des Schafes mitzubekommen. Dafür bekamen wir jedoch zu sehen, wie so ein Tier auseinander gelegt und ausgenommen wird und bei der Zubereitung halfen wir natürlich auch mit. Es gab auf jeden Fall eine große Vielfalt an verschieden zubereiteten Gerichten. Zum einen lag durchgehend Fleisch auf dem Grill, welches immer wieder kleingeschnitten und verteilt wurde. Außerdem wurde aus dem Fleisch eine Suppe gekocht, die sozusagen als erster Gang fungierte, super schmeckte und vor allem mega zartes Fleisch enthielt. Anschließend gab es Ugali, einen afrikanischen Maisbrei und dazu einen Eintopf, in den neben normalem Fleisch auch Leber, Nieren und Magen mit eingekocht wurde. Zusammen mit Spinat hat auch das erstaunlich gut geschmeckt. Der dritte Gang allerdings hat es mir nicht so wirklich angetan. Dafür wurde nämlich der Darm kleingeschnitten, in Wasser gekocht und das ganze wieder als Suppe serviert. Um ehrlich zu sein, hat es ähnlich geschmeckt wie gerochen und wonach eine aus frischem Darm gekochte Suppe riecht, kann sich ja jeder denken. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings schon einiges an K-Vant getrunken und der Gin neutralisierte den Geschmack der Suppe gut genug, um eine Anstandsportion davon hinunter zubekommen.
Insgesamt bin ich echt froh, diese Erfahrung gemacht und solch einen Schlachttag miterlebt zu haben. Ich denke, bei uns Zuhause landet meist nur das Steak aus dem Supermarkt oder der Metzgerei auf dem Teller, das Ganze scheint selbstverständlich zu sein und das Bewusstsein, dass dafür ein Tier mit seinem Leben bezahlen musste geht dabei verloren. Ich selbst bin bei weitem kein Vegetarier und möchte es auch nicht werden, dafür hat es mir gestern wieder viel zu gut geschmeckt. Ich bin aber schon der Meinung, dass Fleisch etwas besonderes sein sollte und nicht jeden Tag auf dem Teller und erst Recht nicht in der Mülltonne landen sollte. Deshalb habe ich mir jetzt auch vorgenommen, fortan weniger Fleisch bewusster zu essen und auch wenn es blöd klingen mag, dem Tier gewissermaßen dankbar dafür zu sein. Mal schauen wie das klappt. 😉

Was mir hier die letzten Wochen außerdem noch aufgefallen ist und was ich mega cool finde, ist die Fähigkeit der Fundis (Handwerker) so gut wie alles zu reparieren. Speziell mit dem Schuster bei uns um die Ecke habe ich zwei sehr positive Erfahrungen gemacht, die ich in Deutschland so wahrscheinlich nie hätte machen können. Zum Einen ist bei meinen Basketballschuhen vor ein paar Wochen eine der Schnürsenkelösen gerissen. Kein seltenes Problem und Zuhause meist Anlass sich neue Schuhe zu kaufen, denn das einzige Mal als ich sie zum Schuster brachte, hat das 15€ gekostet und nur wenige Wochen gehalten. Nicht so hier, wo ich 20 Cent für eine extrem gut verarbeitete Lösung aus Leder zahle. Zum Anderen ist bei einer meiner Adiletten der obere Teil abgerissen, während wir hier gleichzeitig kaputte Volleybälle rumliegen hatten. Also dachte ich mir warum nicht aus zwei kaputten Sachen eine Funktionstüchtige machen und ich muss sagen, das Ergebnis find ich wirklich richtig cool.

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